>7 Reisen in die Wirren der Kriege
Lutz Kleveman liest aus »Kriegsgefangen. Meine deutsche Spurensuche« und diskutiert mit Andrea Böhm auch über die Arbeit eines Kriegsreporters
Bevor Lutz Kleveman den Familiensitz Gut Ankelohe übernahm, zog es ihn hinaus in die Welt. Fast zehn Jahre lang reiste Kleveman als junger Kriegsreporter an die Orte, in denen Gewalt, Tod und Zerstörung zum Alltag gehören - von Afghanistan bis Kolumbien, von Sierra Leone bis Nordkorea. Er liebte das Abenteuer und fühlte sich unverwundbar. Erst nach einem schlimmen Erlebnis im Irak begann Kleveman sich zu fragen, was ihn eigentlich immer wieder in Krisengebiete zieht. Während er sich an Schlüsselerlebnisse als Reporter erinnert, muss er auf schmerzhafte Weise erkennen, wie sehr seine Faszination für Krieg und Gewalt in seiner eigenen deutschen Familiengeschichte wurzelt.

In alten Munitionskisten versteckt, findet er Briefe seines verstorbenen Großvaters Hans-Heinrich, der im Ersten Weltkrieg als junger Flieger an der Ostfront abgeschossen wurde und in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Unter den Briefen liegen auch Fotos und verstaubte Dokumente aus dem »Dritten Reich«. Hans-Heinrich stand als hoher Offizier bis Kriegsende im Dienst der Nationalsozialisten - worüber wie in vielen anderen Familien später nicht gesprochen wurde. Was hat er noch mit dem geheimnisvollen Großvater gemeinsam, fragt sich Kleveman, und begibt sich auf Spurensuche nach Sibirien.

Lutz Kleveman studierte Literaturwissenschaft und Geschichte in
Aix-en-Provence und London. Er schrieb und fotografierte u.a. für den Daily Telegraph, die ZEIT, Newsweek und Playboy. Kleveman ist Autor der Bücher »Der Kampf um das Heilige Feuer. Wettlauf der Weltmächte am Kaspischen Meer« und »The New Great Game. Blood and Oil in Central Asia«. www.kleveman.com

Andrea Böhm diskutiert mit Lutz Kleveman über die familiäre Spurensuche, das historische Erbe der Nachkriegsgeneration und auch eigene Erfahrungen als Kriegsreporterin. Sie lebte über zehn Jahre als freie Journalistin in den USA und schrieb u.a. für Die Tageszeitung, die ZEIT und GEO. 2004 erhielt sie den Theodor-Wolff-Preis, seit 2006 ist sie Redakteurin der ZEIT. Zuletzt erschien von ihr »Gott und die Krokodile. Eine Reise durch den Kongo«.


Freitag, 28. September 2012, 20 Uhr
Katholische Akademie »Die Wolfsburg«, Falkenweg 6,
45478 Mülheim an der Ruhr, www.die-wolfsburg.de
Eintritt: 6/7 € (erm./Abendkasse & Vorverkauf)

Karten unter 02 08. 99 91 99 81

 

Lutz Kleveman
Lutz Kleveman
Andrea Böhm
Andrea Böhm
Foto: Nicole Sturz