>12 Die fernen Kriege ganz nah
»Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens«
Hamed Abdel-Samad war während des Umsturzes im Frühjahr 2011 und dann immer wieder in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Er analysiert in seinem Buch »Krieg oder Frieden. Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens« die sog. Arabellion, die eine ganze Weltregion veränderte. Er zeichnet Ursachen und Verlauf nach und skizziert zwei Szenarien, die die europäischen Länder einmal als wirtschaftliche Gewinner, einmal als bedrohte Verlierer der neuen Strukturen im Nahen Osten erscheinen lassen.

Dr. Huda Zein (Universität Marburg) schreibt:
»Ein revolutionärer Umbruch bedeutet noch nicht, einen Zustand dauerhafter Freiheit herzustellen. Die ›Umbrüche‹ in der arabischen Welt sind vor allem ›Revolution der Würde‹, denn es geht für die Bevölkerungen nicht nur um politische Rechte und bessere Lebensbedingungen, sondern auch um einen Kampf gegen jede Form von Erniedrigung.
In Syrien hat der Kampf gegen Assads Regime noch ein anderes Gesicht, denn der Kampf hier ist zunächst ein Kampf um das Recht auf Leben überhaupt. Syrien erlebt, wie schwer die Geburt der Freiheit sein kann und wird zunehmend zum Schauplatz der Kollision unterschiedlicher globaler Interessen. Krieg in Syrien wird zum Krieg aller gegen alle, zum Krieg der Lobbys statt zum Kampf zwischen der syrischen Bevölkerung und dem Assad-Regime: als einem Kampf um Gerechtigkeit.«

Hamed Abdel-Samad wurde in Ägypten geboren. Er studierte Englisch, Französisch in Kairo, Politikwissenschaften in Augsburg und Japanisch an der Universität Kwansei Gakuin in Japan. Er war für die UNESCO in Genf tätig und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Islamwissenschaft an der Universität Erfurt, er forschte und lehrte am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München. Seit März 2010 ist Hamed Abdel-Samad Gremiumsmitglied der Deutschen Islam Konferenz. Für kontroverse Diskussionen sorgte sein 2009 erschienenes Buch »Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland«, in dem er die drei großen Tabus der islamischen Welt aufbricht: Religion, Sexualität und Politik. Gemeinsam mit Henryk M. Broder reiste er für die ZDF-Sendung »Entweder Broder« durch Deutschland.

Huda Zein studierte Soziologie, Philosophie und Islamwissenschaften in Damaskus und Freiburg. Sie arbeitete u.a. als freie Dozentin im Fachbereich Soziologie und Islamwissenschaften, seit 2009 ist sie Lektorin für Arabisch am CNMS der Philipps-Universität in Marburg. Ihre Forschung beschäftigt sich u.a. mit den Individualisierungsprozessen in arabischen Gegenwartsgesellschaften.

Kersten Knipp moderiert die Lesung und das Bühnengespräch an diesem Abend. Mehr Infos zu ihm im Text zur Veranstaltung vom 21.September.


Donnerstag, 15. November 2012, 20 Uhr
Zentralbibliothek Essen, Hollestr. 3 (Gildehof), 45127 Essen
www.stadtbibliothek-essen.de
Eintritt: 6/7 € (erm./Abendkasse & Vorverkauf)

Karten unter 02 01. 88 42 42 0, per Fax unter
02 01. 88 42 00 3 oder unter info@stadtbibliothek.essen.de

 

Hamed Abdel-Samad
Hamed Abdel-Samad
Foto: Droemer Knaur Verlag
Huda Zein
Huda Zein
Kersten Knipp
Kersten Knipp