>3 »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben«
Harald Welzer liest und diskutiert mit Hubert Winkels
Dass Kriege notwendig Gewalt auf allen Ebenen entfesseln und in der Vergangenheit vor allem Männergesellschaften Realität werden ließen, die ihre ganz eigenen (Un-)Werte, Orientierungen und Referenzrahmen besaßen, belegte 2011 am eindrücklichsten nicht etwa ein literarischer Text, sondern ein Sachbuch: Sönke Neitzels und Harald Welzers »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben«.

»Die Briten hatten während des gesamten Krieges Tausende deutsche und einige hundert italienische Gefangene systematisch abgehört, (...).« 150.000 Seiten Abhörprotokolle haben Neitzel/Welzer gesichtet und ausgewertet, historisch und sozialpsychologisch analysiert. Heraus kam nicht nur ein Buch über die Banalität des Bösen, sondern auch eines über die Bösartigkeit des Banalen. »Soldaten« zeigt, wie Männer in Echtzeit über den Krieg sprechen, wenn sie sich unter sich wähnen. Die beiden Autoren machen verständlich, wie im Referenzrahmen des spezifischen Militarismus, Sexismus, Rassismus und Führerkults des Dritten Reiches ganz ›normale‹ Männer zu »Weltanschauungskriegern« mutierten.

Vielen Soldaten wird der Krieg als Vernichtungsfeldzug zur Routine, zur Arbeit und so erledigen sie sie auch. Das erschreckendste Ergebnis des Buches aber ist, dass in entsprechendem Umfeld zu gegebener Zeit jede/r von uns in die Gefahr gerät, der Gewalt an sich und anderen freien Lauf zu lassen.

Prof. Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe, Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen, Professor für Transformationsdesign und -vermittlung, Direktor der Stiftung Futur Zwei. Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung.
www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.php

Dr. Hubert Winkels moderiert die Lesung. Er ist seit 1988 als Literaturkritiker für die ZEIT tätig. Seit 1997 arbeitet er als Literaturredakteur im Deutschlandfunk. 2007 wurde Winkels mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. Hubert Winkels veröffentlichte zuletzt »Kann man Bücher lieben? Vom Umgang mit neuer Literatur«.


Mittwoch, 19.September 2012, 19.30 Uhr,
Ringlokschuppen Mülheim, Am Schloss Broich 38,
45479 Mülheim an der Ruhr, www.ringlokschuppen.de

Eintritt: 7/8 € (erm./Abendkasse & Vorverkauf)
Karten unter 02 08. 99 31 60, info@ringlokschuppen.de oder www.ringlokschuppen.de/ringlokschuppen/spielplan/
Prof. Harald Welzer
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Foto: Harald Langreder/Fischer
Dr.Hubert Winkels
Dr. Hubert Winkels
Foto: Jörg Briese